8. Spieltag Verbandsliga

Unglaubliche Szenen in Schönaich

Das Auswärtsspiel beim designierten Oberligaaufsteiger Schönaich war an Spektakel kaum zu überbieten. Vermutlich war es das aufregendste Spiel in der jüngeren Leonberger Vereinsgeschichte, auf jeden Fall aber das abenteuerlichste. Unser Gegner erwartete uns mit 5 Titelträgern und wollte im Aufstiegsrennen keine Spannung aufkommen lassen. Da Thanh Kien leider kurzfristig ausfiel, traten wir nur zu siebt an, um die Vorbereitung nicht zu verwerfen. Dieser Plan ging voll auf, denn Edgar setzte mit den weißen Steinen seinen Gegner wunderbar vorbereitet unter Druck. Als dieser eine kleine Unachtsamkeit beging, nutze Edgar das knallhart aus und verpasste ihm einen Trippelbauer auf der f-Linie. Der gegnerische Monarch stand noch in der Mitte und außerdem hatte Edgar auch noch das Läuferpaar. Ein wahr gewordener Vorbereitungstraum! Noch fantastischer lief es bei Bernd am 2. Brett. Er hatte es mit dem einzigen aufgebotenen Großmeister, dem Schönaicher Dimitrij Bunzmann, zu tun. Dieser übersah jedoch mit Weiß einen taktischen Schlag, wonach Bernd mit Springer, Läufer und Bauer für nur einen Turm komplett auf Gewinn stand. Auch die anderen Bretter standen allesamt überaus erfreulich, lediglich bei Zukri ging ein Eröffnungsexperiment schief, weshalb er auch die erste erspielte Niederlage quittieren musste. Doch mit dem erwarteten Sieg bei Bernd und dem möglichen bei Edgar war ja noch alles drin, zumal alle anderen Bretter tendenziell auch eher leicht vorteilhaft standen. Auch die Gegner waren ob des bisherigen Verlaufs sichtlich entsetzt und fürchteten, eventuell zum ersten Mal in dieser Saison ein wenig um ihren sicheren Aufstieg. Doch dann der erste Schock: Edgar bot seinem Gegner völlig unverständlich einfach ein Remis an, was dieser natürlich äußerst dankbar annahm. Dieser fehlende Kampfgeist sollte sich sogleich bitter rächen, denn Bernd unterschätzte die einzige gegnerische Drohung des entfernten a-Freibauern etwas und musste seinen Springer dafür geben. Das frühzeitige Eingeständnis dieses Fehlers hätte noch ein Endspiel mit Läufer, Bauer und 2 verbundenen Freibauern gegen Turm und dadurch mit verteilten Chancen ergeben, doch Bernd erhielt schließlich nur noch einen Freibauern, wonach der Turm das Endspiel klar für sich entschied. Damit war der Kampf beim Stand von 3,5:0,5 für den Favoriten eigentlich schon entschieden, denn Oliver hatte gegen IM Volke einen Bauern weniger und kämpfte in verlorener Position und bei mir war gegen IM Antunac auch nicht mehr als Remis drin. Wahrscheinlich hätte Andreas seine Stellung mit Mehrbauern gegen das Läuferpaar aber trotzdem nicht Remis geben dürfen, denn der Spieltag hielt noch einige Überraschungen parat. Zumal auch ein halber Brettpunkt am Ende immer wichtig sein kann. So sollte aber beim Stande von 4:1 zunächst der Anschlusspunkt durch Franz Schlosser fallen, der zunächst einen Bauerngewinn mit klarem Vorteil ausließ, in der Folge aber trotzdem sehr konzentriert eine klare Gewinnstellung erspielte. Mit dem Mehrbauer auf der Gegnerischen 7. Reihe hatte er die Partie im Kopf bereits abgehakt und lief leider noch in ein unglaubliches Dauerschach mit Springer, Turm und Bauer. Anzahl der Partien mit unglaublichem Endergebnis bisher: 3,5 (wenn man Andis Partie mal als halbe nimmt) von 5 gespielten, leider bei allen mit Leonberger Aufstiegspräsenten. Auch die beiden noch laufenden Partien sollten noch Überraschungen bieten, einmal immerhin in positiver Hinsicht. Zunächst jedoch noch ein weiterer Lapsus, bei beiderseitiger finaler Zeitnotphase fiel ich im sehr remisigen Endspiel Turm, Springer und je 4 Bauern mit der eigentlich besseren Bauernstruktur auf den letzten Trick von IM Antunac herein, der zunächst die Qualität opferte um sie sogleich mit einer Springergabel zurück zu gewinnen und dann mit seinem Bauern ein Tempo vor mir umzuwandeln. Das alles ließ ich mir natürlich nicht mehr zeigen, sondern gab konsterniert direkt auf. Vermutlich kein Fehler, doch wie man an Olivers Partie sehen kann, vielleicht an diesem Tag doch etwas verfrüht … denn das absolute Highlight geschah am Spitzenbrett. Oliver hatte im Endspiel Läufer gegen Springer und 2 Mehrbauern. Die Stellung war simpel gewonnen, zum Beispiel durch einfaches vorrücken des d-Freibauern. Doch in finaler Zeitnot spielten die Nerven IM Volke einen unglaublichen Streich nach dem anderen, so dass er Oliver zunächst erlaubte auf 1 Bauern gegen 3 zu stellen, aber dieser war ein Freibauer und konnte nur noch durch Springeropfer aufgehalten werden, wonach der Läufer glücklicherweise alle Bauern lang genug hält und es Remis wäre. Doch der nächste Streich kam gleich hinterher, der Springer hüpfte munter weiter übers Brett und war schließlich vom Läufer abgeschnitten und der Freibauer marschierte zur Dame. Ein echtes Wahnsinnsende für ein unglaubliches Match, bei dem mit Hinsicht auf die einzelnen Ergebnisse und die dazugehörigen Partien die Frage erlaubt sein muss, ob Schach ganz nach Lukas Podolskis unnachahmlichem Gleichnis diesmal nicht doch mit Würfeln gespielt wurde. Auf jeden Fall ein echter Trost für alle versemmelten Partien von der C-Klasse bis zur Verbandsliga, selbst Meisterspieler sind nicht vor einfachsten Fehlern gefeit! Die nächste Quittung für unglaubliche Fehler und mangelhaftem Kampfgeist auf unserer Seite, nach zunächst sehr starken Partien, das muss an dieser Stelle auch noch mal erwähnt werden, – denn wer hätte schon einen Pfifferling auf ein 4:4 heute gesetzt? – folgte am Abend beim Blick auf die Ergebnisse. Willsbach konnte sich gegen Grunbach hauchdünn mit 4,5:3,5 durchsetzen und schiebt Leonbergs Achter dadurch auf den ersten Abstiegsplatz. Um diesen gibt es nun ein Fernduell am letzten Spieltag am 13. April, wenn Leonberg Lauffen empfängt und Willsbach in Feuerbach antritt. Wir haben es zwar in diesem echten Endspiel mit mindestens einem 5-3 Sieg über Lauffen selbst in der Hand, trotzdem hoffen wir inständig auch auf Feuerbacher Schützenhilfe, damit sie nächste Saison die Chance bekommen, sich gegen uns für die Niederlage in dieser Saison zu revanchieren. Für Spannung ist also zur genüge gesorgt, der Spielverlauf müsste daher für ein sehenswertes Match nicht unbedingt so dramatisch wie heuer sein … (Moritz Reck)

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